Es ergeben sich Hinweise, dass nicht chemisch reaktive, sondern chemisch eher träge Hüttensande zusammen mit den übrigen Hochofenzementbestandteilen stabile, druckbelastbare Gefügeelemente aus Hydratationsprodukten aufbauen. Durch eine gut verzahnte, feste Kontaktzone zwischen noch unreagiertem Hüttensandglas im Korninneren und Hydratationsprodukten aus Hüttensand-, Klinker- und Sulfatträgerbestandteilen führen chemisch träge Hüttensande zu einem belastbaren Druckgefüge. In Verbindung mit den im Mörtel- und Betongefüge eingebundenen, stark druckbelastbaren Gesteinskörnungen führt dies zu hohen Druckfestigkeiten in der Normmörtelprüfung. Dagegen entstehen durch schnelle Reaktion von Hüttensand mit Wasser ausgeprägte Reaktionssäume um die Hüttensandkörner. Diese Säume sind wasserreich und gelartig (siehe Bild).
Anliegendem Druck können solche Strukturelemente durch Verformung oder Scherbewegungen entlang von Schichtgrenzen innerhalb der Säume ausweichen. Wird bei der Druckfestigkeitsbestimmung der Druck nicht nur von den Partikeln der Gesteinskörnung getragen, sondern auch über die mehr oder weniger stark belastbaren Hüttensandpartikel abgeleitet, kommt es zu unterschiedlich frühem Versagen des Prüfkörpers.